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Tipp der Woche: Blumen sagen mehr!

Sag es durch die Blume…Aber was denn eigentlich?

Um einen Dank auszusprechen, eine Entschuldigung zu übermitteln oder einen besonderen Anlass zu würdigen werden Blumen gerne als probates Mittel eingesetzt. Insbesondere in der floristischen Hochsaison zum Valentins- oder Muttertag, kann die gut gemeinte Geste mit einem großen finanziellen Aufwand verbunden sein. Dieser kann sich allerdings aus Unkenntnis schnell als Fehlinvestition entpuppen. Denn wer bisher geglaubt hat, mit einem wahllos gegriffenem Arrangement auf der sicheren Seite zu sein muss an dieser Stelle leider enttäuscht werden. Hier kann so einiges schief gehen, denn an dem Spruch „Blumen sagen mehr als 1.000 Worte“ ist tatsächlich was dran. Ähnlich der zunächst vielversprechend klingenden Formulierungen in einem Arbeitszeugnis haben auch sie einen Code, den man entschlüsseln können sollte. Chrysanthemen zum Beispiel stehen für das Ende einer Liebesgeschichte und Rittersporn für Untreue. Bei einer Übergabe dieser Kombination sollte sich also niemand über eine entsprechende Reaktion wundern. Auch eher ungünstig: Ein roter Strauß, mit einer einzelnen weißen Blume. Das gilt als Kriegserklärung.

Schon bei der Wahl der Farbe ist Vorsicht geboten

Klingt erstmal nicht herausfordernd. Tückischer weise haben aber einige Farben gleich mehrere Bedeutungen, die noch dazu unterschiedlicher nicht sein könnten. Weiß zum Beispiel bedeutet Reinheit, Ehrlichkeit und Eleganz. Da es aber auch oft für Grabschmuck genutzt wird, verbinden ältere Menschen damit eher Trauer. Rote Blumen stehen für Liebe, aber auch Freundschaft. Je dunkler, desto ausgeprägter. Rosa ist also folglich das Light-Produkt und für die (noch) zarteren Gefühle geeignet. Blau signalisiert Romantik und Treue, helles blau dagegen eher das Gegenteil: Freiheit. Für den großen Auftritt eignet sich Violett, denn es drückt Individualität und das „Besondere“ aus. Dem Beschenkten wird gesagt, dass er einzigartig ist. Sollen hingegen Glück- und Genesungswünsche übermittelt werden, ist man mit orangen Blumen meistens auf der sicheren Seite. Sie stehen für Ausdauer und Lebensfreude. Gelb ist auch ok. Die Sonnenfarbe signalisiert Wärme, Lebenslust und Energie. Aber Achtung, gleichzeitig auch Neid, Eifersucht und Missgunst. Ganz schön kompliziert. Grün ist die Farbe der Hoffnung, Lebendigkeit und einen Neuanfang. Große grüne Blätter im Strauß bedeuteten Kraft und Stärke. Falls sich jetzt an dieser Stelle irgendjemand ganz besonders gerissen vorkommt und denkt künftig mit einem unifarbenen grünen Strauß auf der sicheren Seite zu sein: kann man machen, muss aber mit der mangelnden Begeisterung klar kommen.  

Auch die Art übermittelt eine Botschaft

Die Symbolik der roten Rosen ist sicherlich jedem hinlänglich bekannt, rote Tulpen haben übrigens dieselbe. Im Grund hat fast jede Blume ihre eigene Bedeutung. Einige mehr oder weniger ernst gemeinte Beispiele für den Büroalltag:  

Geranien: Ich freue mich, dass du da bist!
Glockenblume / Dahlie: Danke!
Blaustern: Es tut mir leid, verzeih mir!
Freesie: Ich will meine Freude mit dir teilen!
Sonnenblume: Lass uns nur heitere Stunden leben!
Hyazinthe: Nur du kennst mich wirklich ganz genau!
Gerbera: Durch dich wird alles schön!
Salbei: Ich denke an Dich!
Schneeglöckchen: Trost!
Akelei: Ich halte dich für einen Schwächling!
Tausendgüldenkraut: Du willst wohl nur mein Geld
Heidekraut: Ich mag die Einsamkeit
Wucherblume: Lass mich in Frieden!
Kapuzinerkresse: Irgendetwas verbirgst du vor mir!
Winde: Mich wirst du so schnell nicht los!
Narzisse: Du bist aber ganz schön eitel!
Vergissmeinnicht: Vergiss mich nicht und denk an mich!
Klatschmohn: Man muss im richtigen Augenblick auch
schweigen können!


Man könnte über die richtige Zusammenstellung des perfekten Straußes wahrscheinlich einige wissenschaftliche Abhandlungen formulieren. Oder stundenlang das ideale Arrangement austüfteln.  Wer daran Spaß hat, wird im Internet noch unzählige weitere, teilweise unterschiedliche Anleitungen zur Decodierung der Blumensprache finden. An dieser Stelle möchte ich aber ein bisschen beruhigen: Wer die Lieblingsblumen der zu Beschenkenden kennt kann zugreifen. Meistens jedenfalls. Bei der Vergabe roter Rosen wäre ich etwas zurückhaltender – zumindest wenn ich mich nicht mit unangenehmen Rückfragen konfrontiert sehen will.

„An Herren werden grundsätzlich keine Blumen verschenkt.“

Sagt jedenfalls knigge.de. Dennoch hab ich es im Business an der einen oder anderen Stelle erlebt,  meist sogar von einem anderen Mann überreicht. Und jedes Mal habe ich mich gefragt: Warum? Bekommt am Ende gar nicht er die Blumen? Gibt es hier vielleicht ein mir unbekanntes Gentlemen-Agreement? Dient das Arrangement vielleicht um sich - sehr viel zu spät am Abend - dem zu Hause drohenden Ungemach reumütig entgegenstellen zu können? Natürlich deklariert als eigenen Geistes Kind. Oder soll es am nächsten Tag der Sekretärin in die Hand zu drücken sein? Ein kleiner Dank wäre ja ohnehin schon längst mal wieder fällig gewesen. Meine Herren, aus eigener Erfahrung kann ich an dieser Stelle sagen: Keine gute Idee.

Was auch nicht geht

  • Last-Minute-Käufe an Tankstellen oder in Supermärkten. Mit diesen - sträflicher weise oftmals noch üppig mit Glitzerspray oder anderweitigen Dekorationselementen verzierten - Buketts lässt sich wirklich kein Eindruck schinden.
  • Sträuße mit einer gerade Anzahl oder 13 Blumen. Soll Unglück bringen.
  • Verpackungsmüll. Blumen werden nie, niemals und auf überhaupt gar keinen Fall im Papier überreicht.

Und jetzt?

Unabhängig all meines mittlerweile erworbenen Wissens würde ich auch weiterhin (zumindest privat) immer ein selbstgepflücktes Gänseblümchen jedem noch so teuren und möglicherweise lange in seiner Zusammensetzung abgewogenen Strauß vorziehen. Nicht etwa, weil es für kindliche Unschuld steht oder seine Farbe Ehrlichkeit und Eleganz signalisieren. Sondern, weil es - so bilde ich mir zumindest ein - aus einem spontanen Impuls gepflückt wurde. Die Botschaft dabei ist so simpel wie einfach: „Ich hab an dich gedacht.“ Und damit ist alles gesagt!

Autorin: Friederike Heinrich, April 2019